Zurück zum Blog
EU AI Act für Steuerberater – KI-Pflichten für Steuerkanzleien 2026

Der EU AI Act betrifft Steuerberater — aber anders als viele denken. Die meisten Kanzleien setzen KI bereits ein: ChatGPT für Mandantenschreiben, automatische Belegzuordnung in DATEV, KI-gestützte Recherche. Was viele nicht wissen: Ab August 2026 gelten konkrete Pflichten. Welche das sind, was sie für den Kanzleialltag bedeuten und was Sie jetzt konkret tun müssen — das klärt dieser Artikel.

Falls Sie noch keine Grundlage zum EU AI Act haben, empfehle ich zunächst den Überblick zum EU AI Act Digital Omnibus, der die aktuellen Fristen und Risikoklassen erklärt. Dieser Artikel baut darauf auf und konzentriert sich ausschließlich auf die Perspektive von Steuerkanzleien.

Wer lieber hört statt liest – hier die Audio-Version dieses Artikels:

Podcast
EU AI Act für Steuerberater – Was Kanzleien jetzt wissen müssen
Generiert mit NotebookLM · KI-Content Partner
Vollständiges Transkript anzeigen

Sind Steuerberater direkt betroffen?

Ja — als Nutzer von KI-Systemen, nicht als Anbieter. Der EU AI Act unterscheidet zwischen Herstellern (die KI entwickeln) und Nutzern (die KI in ihrer Arbeit einsetzen). Steuerberater sind fast immer Nutzer. Das bedeutet: geringere Pflichten als Hersteller, aber keine Ausnahme.

Konkret gilt für Steuerkanzleien:

Was Steuerberater nicht trifft: Die aufwendigen Konformitätsbewertungen und CE-Kennzeichnungen — die sind für Hersteller von Hochrisiko-KI gedacht, nicht für Kanzleien, die Standardtools nutzen.

Fazit auf einen Blick

Die meisten Steuerkanzleien sind keine Hochrisiko-KI-Nutzer im Sinne des EU AI Acts. Ihre wichtigste unmittelbare Pflicht ist die Kennzeichnung von KI-Inhalten ab August 2026. Der Aufwand dafür ist überschaubar — wenn man weiß, wo KI im Kanzleialltag eingesetzt wird.

Welche KI-Tools Kanzleien nutzen – und wie sie einzustufen sind

Der EU AI Act teilt KI-Systeme in vier Risikoklassen ein: verboten, Hochrisiko, begrenzte Transparenzpflicht und minimal riskant. Für den typischen Kanzleialltag ist die Einordnung meist unkompliziert.

KI-Tool / Anwendung Risikoklasse Pflicht für Kanzleien
ChatGPT, Claude, Gemini (Texterstellung) Minimal / Niedrig Kennzeichnung der erzeugten Inhalte ab Aug. 2026
DATEV (Standardfunktionen) Kein KI im Sinne des Acts Keine spezifischen KI-Pflichten
DATEV KI-Funktionen (z. B. auto. Belegzuordnung) Niedrig bis begrenzt Dokumentation empfehlenswert; Frist bis Aug. 2028
KI-Chatbot auf Kanzlei-Website Begrenzte Transparenz Chatbot muss sich als KI zu erkennen geben (ab Aug. 2026)
KI-gestützte Bonitätsprüfung / automatisierte Kreditentscheidung Hochrisiko Dokumentation, Konformitätsbewertung (selten in Kanzleien)

Die gute Nachricht: Wer ChatGPT für Mandantenanschreiben oder Blogartikel nutzt und die Texte vor dem Versand persönlich prüft, hat die geringste Risikoeinstufung. Die einzige konkrete Pflicht ist die Kennzeichnung — und die lässt sich in wenigen Minuten umsetzen.

Die Kennzeichnungspflicht ab August 2026

Ab August 2026 müssen KI-generierte Inhalte, die öffentlich ausgespielt werden, als solche gekennzeichnet sein. Das betrifft alle Inhalte, die Kanzleien auf ihrer Website, in Newslettern oder auf Social Media veröffentlichen — sofern sie mit KI erstellt wurden.

Was konkret gekennzeichnet werden muss

Was nicht gekennzeichnet werden muss

Wie genau der Hinweis aussehen muss, konkretisiert die EU-Kommission noch. Derzeit ist ein knapper Hinweis am Ende des Textes — etwa „Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft von [Name]" — branchenübliche Praxis und ausreichend, solange keine detailliertere Anforderung veröffentlicht wird.

Praxistipp

Wer KI-Tools zur Texterstellung nutzt und die Texte anschließend persönlich redigiert, bewegt sich in einer deutlich günstigeren Rechtslage als wer ungefilterte KI-Outputs veröffentlicht. Redaktionelle Prüfung schützt — sowohl rechtlich als auch qualitativ.

Checkliste: 4 Schritte zur Compliance für Steuerkanzleien

01
KI-Inventur erstellen

Welche KI-Tools werden in der Kanzlei eingesetzt? Notieren Sie: Welche Mitarbeitenden nutzen was, für welche Aufgaben, und welche Outputs gehen nach außen? Das dauert maximal eine Stunde und ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.

02
Risikoklassen einordnen

Anhand der Tabelle oben lässt sich die Einordnung für die meisten Kanzleien in 30 Minuten erledigen. Wer nur ChatGPT und DATEV nutzt, hat praktisch keine Hochrisiko-KI im Einsatz. Trotzdem sollte die Einordnung dokumentiert sein — als Nachweis bei einer möglichen Prüfung.

03
Kennzeichnungsregelung einführen

Legen Sie intern fest: Welche Inhalte werden als KI-generiert gekennzeichnet? Wer ist dafür verantwortlich? Am einfachsten: eine kurze interne Richtlinie (1 Seite reicht) und eine Standardformulierung, die ans Ende KI-unterstützter Artikel oder Newsletter gesetzt wird.

04
Compliance-Datum im Kalender

August 2026: Kennzeichnungspflicht wirksam. Tragen Sie das Datum ein und stellen Sie sicher, dass die Kennzeichnungsregelung bis dahin umgesetzt ist. Alle anderen Fristen (DATEV-KI-Funktionen etc.) liegen deutlich später — August 2028 für integrierte Systeme.

Steuerberater und LinkedIn: Was der EU AI Act ändert

LinkedIn ist für viele Steuerberater der wichtigste Kanal zur Mandantengewinnung — besonders für Unternehmensberater und Kanzleien, die Geschäftskunden ansprechen. Wer LinkedIn-Posts mit KI erstellt und sie unverändert veröffentlicht, muss diese ab August 2026 kennzeichnen.

Was das in der Praxis bedeutet: Ein kurzer Hinweis wie „Erstellt mit KI-Unterstützung" am Ende des Posts ist ausreichend. Wer den KI-generierten Entwurf wesentlich überarbeitet — also eigene Formulierungen, Erfahrungen und Perspektiven einbringt — muss in der Regel nicht kennzeichnen, weil der Text nicht mehr überwiegend KI-generiert ist.

Der pragmatische Weg: KI für den Rohtext nutzen, persönliche Erfahrungen und fachliche Einschätzungen ergänzen, dann veröffentlichen. Das ist ohnehin der wirkungsvollere Ansatz für LinkedIn — persönliche Perspektiven performen besser als generischer KI-Output. Und er hält Sie automatisch auf der sicheren Seite des EU AI Acts.

Für Steuerberater
Content Marketing speziell für Steuerkanzleien
Wie Kanzleien mit regelmäßigen Fachbeiträgen, EU-AI-Act-konformen LinkedIn-Posts und Newslettern neue Mandanten gewinnen — ohne internes Content-Team.
Mehr erfahren →

Häufige Fragen zum EU AI Act für Steuerberater

Müssen Steuerberater den EU AI Act beachten?

Ja. Als Nutzer von KI-Systemen sind Steuerberater direkt betroffen — insbesondere durch die Kennzeichnungspflicht ab August 2026. Wer KI lediglich zur internen Textvorbereitung nutzt und Inhalte redaktionell prüft, hat vergleichsweise geringe Pflichten. Wer KI-generierte Inhalte unverändert veröffentlicht oder KI-Chatbots auf der Kanzlei-Website betreibt, muss jetzt handeln.

Ist DATEV als KI-System einzustufen?

DATEV selbst ist keine KI — es ist Buchhaltungs- und Steuersoftware. Einzelne KI-Funktionen innerhalb von DATEV (z. B. automatische Belegzuordnung) können jedoch als KI im Sinne des EU AI Acts gelten. Da diese in bestehende Software integriert sind, gilt für sie die verschobene Frist bis August 2028. Trotzdem empfiehlt es sich, diese Funktionen zu dokumentieren.

Dürfen Steuerberater ChatGPT für Mandantenkommunikation nutzen?

Ja, mit Einschränkungen. ChatGPT fällt als Allzweck-KI in die Niedrig-Risiko-Kategorie. Erlaubt ist die Nutzung zur Textvorbereitung, Recherche und Kommunikationsentwürfe. Nicht erlaubt: das direkte Versenden von KI-generierten Inhalten als individuelle steuerliche Beratung ohne menschliche Prüfung. Ab August 2026 gilt zudem: KI-generierte Inhalte in der Außenkommunikation müssen gekennzeichnet sein.

Was ist die Kennzeichnungspflicht und ab wann gilt sie?

Die Kennzeichnungspflicht gilt ab August 2026 und verpflichtet dazu, KI-generierte Inhalte in der Außenkommunikation als KI-generiert zu kennzeichnen. Für Kanzleien bedeutet das: Wenn Blogartikel, Newsletter oder LinkedIn-Posts mit KI erstellt und veröffentlicht werden, muss ein entsprechender Hinweis sichtbar sein. Ein knapper Hinweis am Ende des Textes ist derzeit ausreichend.

Wie viel Zeit benötigt die EU-AI-Act-Compliance für eine Steuerkanzlei?

Für die meisten Kanzleien sind zwei bis vier Stunden ausreichend: eine Stunde für die KI-Inventur, eine Stunde für die Risikoeinordnung und die Richtlinie, eine weitere Stunde für die Kennzeichnungsregelung. Wer Hochrisiko-KI einsetzt, braucht mehr Zeit — das ist bei Standardkanzleien jedoch selten der Fall.

PDF
Checkliste: EU AI Act für Steuerkanzleien

Die 4 Compliance-Schritte aus diesem Artikel als kompakte Checkliste – zum Speichern, Teilen oder Weitergeben an Ihr Team.

PDF herunterladen
Robert Werkier – KI-Content Partner, Neuss
Robert Werkier
KI-Content Partner für KMU

Online-Marketing-Berater mit 20+ Jahren Erfahrung. Ich helfe KMU dabei, KI-Tools sinnvoll im Content-Marketing einzusetzen – DSGVO-konform, EU-AI-Act-gerecht und ohne technisches Vorwissen. Standort: Neuss, Deutschland.